Die Torah als Weisung und Gesetz

Die Torah ist schon immer von jüdischen Menschen, als G-ttesoffenbahrung, ernst genommen worden. Gerade in unseren Zeiten hat dies deutlich zugenommen – auch von Nicht-Juden. Die Verlebendigung aller 613 Gebote ist dabei nicht nur zentral, sondern auch unumgänglich. Warum habe ich in diesem Beitrag differenziert, zwischen Weisung für ein g-ttgemäßes Leben, dass Hashem zu einem Lächeln bringt und der Torah als Gesetz?!! Im Wochenabschnitt Mishpatim werden zum Beispiel Rechtssatzungen – oder auch Vorschriften genannt – am Shabbat öffentlich gelesen. Dies ist kein Vorgang der Unterhaltung, sondern die Belehrung und Erinnerung dass diesen Geltung verschafft werden muss. Daher der Name Mishpatim. Diese sind der Vernunft einfach zugänglich. Es werden Vorschriften über hebräische Knechte, Vorschriften über Körperverletzung, Vorschriften über Diebstahl, weitere Vorschriften über die Verführung einer Jungfrau und die Pflicht mit Brautgeld an den Vater auszustatten und zu heiraten, Zauberei, Sodomie, dem Dienen anderer Götter, der Kränkung eines Fremden, dem Umgang mit Witwen und Waisen, Geldverleih, Vorschriften zur Erstlingsfrucht, Vorschriften zur Gerechtigkeit, Vorschriften zum Shabbat-Jahr und Shabbat, Vorschriften zu den Festen und Vorschriften zum Gelobten Land aufgeführt und  behandelt. Bei Mishpatim handelt es sich also um eine ganze Bandbreite verschiedener Gesetze, die in eine gerechte Rechtsprechung münden müssen. Dies ist der entscheidende Punkt; die Überführung der Gesetze in den Umgang einer gerechteren jüdischen Gesellschaft – oder in der Diaspora eben das soziale Gefüge einer Gemeinde. Wichtig ist, dass die Torah sehr behutsam, erst erzählerisch nahegebracht wird. Und wichtig ist auch, dass diese Gesetze deshalb nicht einfach erlassen werden. Didaktisch sehr wertvoll ist, dass die Parasha gerade mit den Vorschriften über die Knechtschaft beginnt. Bedenken wir, dass dem Jüdischen Volk erst gerade befreit wurde und in der Wüste, am Fuße des Berg Sinai steht. Man könnte meinen, dass es gerade Wichtigeres für es gibt, als Knechtschaft, die jemand aus Not eingehen muss. Gerade das ist der Anknüpfpunkt. Der Text der Torah macht von Vorne herein deutlich, dass Abhängigkeitsverhältnisse deshalb nicht Vergangenheit sind. Wirtschaftliche Notsituationen sind Realität. Eines aber hat sich geändert: Die Knechtschaft ist ein wirtschaftlicher Faktor und deshalb immer wieder begrenzt. Knechtschaft ist keine Unterdrückung mehr. Auch keine Unterwerfung unter ein Regime das Selbstaufgabe erzwingt. Der israelische Knecht bleibt ein Israelit und ist deshalb auf die Freiheit hin ausgerichtet. Raschi sagt deshalb, dass spätestens mit dem Yoveljahr selbst der befreit wird, der der gar nicht frei sein will. Es ist wichtig zu erkennen, dass diese Gesetze über den eigenen, beschränkten, kurzfristigen Interessen stehen und somit zentraler Ausgangspunkt für unsere eigenen Entscheidungen.

Shavua Tov!

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